Was bedeutet Vereinsleben und wie sieht es beim FCR aus?


Vereine fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie bringen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Alterskategorien und sozialen Schichten zusammen. Viele kämpfen aber zunehmend mit Problemen. Das zeigt eine Studie des Observatoriums Sport und Bewegung. Während 2010 noch 77 Prozent der befragten Vereine optimistisch in die Zukunft blickten, sind es heute nur noch 64 Prozent. Die Zahl der existenzbedrohenden Probleme hat demnach zugenommen.

Zwang zur Freiwilligkeit: Einer der Hauptgründe liegt bei der Ehrenamtlichkeit. Die Autoren der Studie sprechen diesbezüglich von «besorgniserregenden Schwierigkeiten». Für knapp 40 Prozent der Vereine stellt die Freiwilligenarbeit ein «grosses Problem» dar. Das zeigt sich insbesondere bei Fussballclubs, die von jungen Spielern regelrecht überrannt werden. Denn mehr Mitglieder erfordern auch mehr Trainer und grösseren organisatorischen Aufwand. Gegen die mangelnde Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit reagieren viele Vereine inzwischen mit Zwang. Beim FC Horgen etwa muss jedes Mitglied von den C-Junioren bis zu den Veteranen pro Jahr sieben Helferstunden an Turnieren und Festen leisten. Zudem hat der Verein einen Zuschlag von 50 Franken erhoben, damit administrative Aufgaben ausgelagert werden können. Während Fussballclubs mit der Ehrenamtlichkeit zu kämpfen haben, macht anderen Vereinen der zunehmende Mitgliederschwund Sorgen. In Schützen-, Curler-, Hornusser, aber auch Handball-Vereinen fehlt es an Nachwuchs. Die Folge: Überalterung. In rund 19 Prozent der 5335 befragten Vereine beträgt das Durchschnittsalter zwischen 41 und 60 Jahre, in über 12 Prozent gar über 60 Jahre.

Wie sieht es beim FC Rothrist aus: Beim FC Rothrist ist das „Vereinsleben“ diesbezüglich ebenfalls ein Dauerthema. An den beiden Grossen Anlässen, dem Stampfi-Cup und dem Hallenturnier, ist es nicht immer einfach ausreichend Helfer zu finden. Nebst den vielen Ausreden, ist auch immer wieder das nicht erscheinen ein Punkt, der den Organisatoren viel Kopfzerbrechen bereitet. In einem Verein zu sein heisst nicht nur konsumieren, sondern auch seinen Teil für ein gemeinsames Wohl beizusteuern. Auch die Eigenverantwortung gegenüber dem Trainingsmaterial, den Fussballfeldern, dem Clubhaus oder auch das Verhalten gegenüber Funktionären und Vereinsverantwortlichen, lassen doch öfter zu wünschen übrig.

Ebenfalls hört man immer wieder, wie viel ein Mitgliederbeitag kostet. Was aber alles für finanzielle Aufwände anfallen für einen Club mit über 450 Mitgliedern, davon 266 Lizenzierte Spieler und über 80 Kinder Fussballschule, wissen die meisten nicht. Aber man äussert sich immer wieder negativ ohne sich davon ein Bild zu machen. Als Funktionär und als Vorstandsmitglied investiert man seine Freizeit für das Wohl eines Vereins wie dem FC Rothrist ohne dafür Geld zu erhalten. Es ist also frustrierend, wenn man immer wieder den Vorwurf erhält, dass man für seinen Mitgliederbeitrag zu wenig erhält und erwartet das unser „Dorfverein“ eine Topinfrastruktur und Topausgebildete Trainer zu Verfügung stellen kann. Unser Clubhaus wurde damals 1991, mit Fronarbeit von vielen Mitgliedern und Freiwilligen gebaut. Zu diesem Zeitpunkt war die Anlage auf dem neusten Stand und war in der Grösse und Funktionalität gerade richtig. Das unser Verein aber so wachsen würde, vor allem nach der Gründung der Fussballschule 2003 und dem Wachstum des Dorfes, konnte man so nicht voraussehen. Man bemüht sich schon seit lange eine Lösung für das Platzproblem zu finden, kann aber ohne Finanzielle Mittel keine solche anbieten.

Auch das Thema Fussballfelder oder Kunstrasen ist in unserem Verein ein Dauerbrenner. Für unsere 16 Mannschaften, davon trainieren die meisten 2-3-mal in der Woche, müssen die passenden Tage, Zeiten und freie Spielfelder gefunden werden. Dazu kommen die Meisterschaftsspiele die Cup-Partien oder Freundschaftsspiele die ebenfalls einen Platz und Zeit benötigen. Es ist eine Mamut Aufgabe unserer „Spiko-Abteilung“ um Martin Bächler und Beat Käser, alles unter eine Hut zu bringen. Man stelle sich vor, jedes Spiel müssen unsere Spiko’s im Clubcorner (Software des Fussballverbandes) von Hand anwählen und die Spieltage und Zeiten angeben, erst danach ist das Spiel angesetzt! Dazu kommen die Anfragen von anderen Vereinen bezüglich Spielverschiebungen, die dann ebenfalls so abgehandelt werden.

Als Spieler, Trainer oder als Eltern kann man sich also schwer vorstellen was er heisst, für alle und jeden das passende zu finden. So kann es durchaus mal vorkommen, dass eine Garderobe mit 2 Mannschaften belegt ist oder man auch mal nicht duschen kann nach einem Training. Mehr Verständnis wäre hier manchmal doch wünschenswert!

Zum „Wunsch“ Kunstrasen lassen wir zuerst die Zahl von einer Million Schweizer Franken aufblitzen… 1000000 … so viel würde ein solcher Traum kosten! Wie man als Dorfklub zu solch einem Betrag kommen soll, ich weiss es nicht und ich habe leider keinen reichen Onkel aus Amerika. So werden wir weiter mit den uns zu Verfügung stehenden Mitteln versuchen die Fussballfelder zu hegen und zu pflegen.

Die Gemeinde Rothrist und der FCR: In vielen Gemeinden, wie etwa in Schöftland wurden die Sportanlagen von der Gemeinde gebaut und unterhalten. Neu ist dies auch in Küttigen der Fall, in einer Gemeindeabstimmung wurde angenommen, dass die Gemeinde das Klubhaus saniert und die Plätze neu von der Gemeinde unterhalten werden. So sieht es in Rothrist nicht aus. Unser Klub erhält für den Unterhalt der 3 Rasenplätze SFr.50‘000 und muss damit die Kosten decken. In einem trockenen Sommer oder auch wenn die Plätze wie dieses Jahr Platz 3 neu aufgebaut werden müssen, reicht der Betrag meistens nicht aus. Oder wie aktuell im März 2018, wo die Kälte den Rasenplätzen viel an Substanz entzogen hat. Der Rasen konnte sich noch nicht richtig entfalten und ist an vielen Stellen noch ohne grossen Wachstum. Würde man nun alle Teams trainieren lassen, wären die Schäden auch finanziell enorm.

Man sieht also, ein Vereinsleben bedeutet nicht nur konsumieren, sondern jedes Mitglied muss und soll unseren FC Rothrist unterstützen!

Manuel Wyss
Funktionär